Letztes update:
06.September 2007

Herta in der Legebatterie
Foto: C. BierbaumMein Leben begann in einem Ei. Nur ganz wenige von unseren Eiern werden ausgebrütet, die allermeisten werden uns weggenommen und von den Menschen gegessen.
Eigentlich wollen wir gar nicht so viele Eier legen, aber wenn uns die Eier weggenommen werden, haben wir nicht genügend für ein Nest mit fünf bis sieben Eiern. Denn so viele Babies wollen wir dann haben. Und es ist ganz schön anstrengend, so ein Ei zu legen.
Ich schlüpfte also aus einem Ei und hatte das Glück, ein Mädchen zu sein, denn die Jungen, die ausschlüpfen, werden danach in eine grosse Maschine geworfen, wo sie ganz schrecklich getötet werden.
Mein Glück war es also, ein Mädchen, eine “Legehenne” zu sein. Aber war das wirklich Glück?

Als wir Mädchen soweit waren, das wir Eier legen konnten, wurden wir von der sogenannten Aufzuchtstation, in der wir nach der Geburt lebten wurden,  in eine Legebatterie gebracht, was aber nichts mit der Batterie, die Strom liefert, zu tun hat. Die Menschen steckten uns also einfach in grosse Käfige und fuhren uns dann in Autos zur Legebatterie. In dieser Legebatterie lebten wir noch enger als vorher zusammen. Ich hatte soviel Platz wie ein Blatt Papier und in den Kämpfen ums Futter war ich oft unterlegen.
Trotzdem haben wir versucht Eier zu legen, um Babies zu bekommen. Auch wenn wir uns kein Nest bauen konnten, weil wir nur Draht um uns herum hatten, mussten wir einfach Eier legen, bis wir fünf bis sieben zusammen haben.

Das Leben war fürchterlich, in jeder Sekunde, ob am Tag oder in der Nacht, eng gedrängt an meine Schwestern, die Hölle im Käfig. So wurde ich im Laufe der Zeit immer schwächer und meine Schwestern hackten auf mir rum, sie waren ja selber eingezwängt in unser Gefängnis, hatten Angst und wollten raus.

Eines Nachts, wo normalerweise keiner von den Menschen hier hereinkommt, kamen aber trotzdem Menschen ganz leise und kleinen Lichtern zu uns herein.
Sie schauten in die verschiedenen Käfige, wo wir uns dicht gedrängt und erschrocken gackerten. Dann machten Sie ein paar Käfige auf und nahmen jeweils eine Schwester von uns heraus und steckten sie in kleine Käfige, die sie dann mitnahmen.

Ich war froh, denn nun hatten wir ein kleines bisschen mehr Platz in unserem kleinen Käfig, aber mir ging es im Moment gar nicht so gut. Ich war schwach, hatte nicht eine einzige Feder mehr am Leib, und das ist ganz schlimm und schlecht für ein Huhn.
Es dauerte aber nicht lange und in einer Nacht kamen die Menschen wieder, die ein paar meiner Schwestern abgeholt hatten und sie standen vor unserem Käfig und schuten immer auf mich. Wir gackerten ganz wild herum und plötzlich machte einer der Menschen den Käfig auf und wollte mich greifen.
INatürlich habe ich mich ganz doll gewehrt, aber der Mensch war zu stark und so steckte er mich auch in eine kleine Kiste und so wurde mein Leben auf einmal ein ganz anderes....

Und hier fängt mein neues Leben an...

Eigentlich wollte ich gar nicht hier weg, ich habe Angst gehabt, als die Menschen mit den Lichtern mich nachts hier weggenommen haben, aber ich hätte es nicht mehr lange ausgehalten, und wäre wohl gestorben. Hier in der grossen Halle sterben oft Schwestern von mir.

Und heute bin ich froh, denn hier, wo ich jetzt lebe, kann ich all das tun, was ich will.

 

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